Zwei behandschuhte Hände tauschen ein Funkmodul auf der Hutschiene eines Schaltschranks aus.

IoT-Konnektivität

2G und 3G im Ausland: warum die deutschen Termine dort nicht gelten

In der Schweiz ist 2G längst aus, in Frankreich endet es 2026, in Deutschland erst 2028. Warum Abschalttermine je Land und Betreiber gelten, warum Roaming-Karten früher betroffen sind und wie Sie das prüfen.

Veröffentlicht: 31. Juli 2026 · Aktualisiert: 4. August 2026

Termine für internationale Netzabschaltungen gelten je Land, je Betreiber und je Region unterschiedlich und wandern in beide Richtungen — eine Roaming-Karte kann davon früher betroffen sein als ein Inlandskunde. Dieser Artikel erklärt diese Mechanik, statt eine Länderliste zu versuchen: Eine Liste veraltet, ist mit vertretbarem Aufwand nicht vollständig zu halten, und ein Wettbewerber hat sie bereits. Der Länderteil weiter unten ist eine ausdrücklich datierte Momentaufnahme mit sechs Ländern, jedes an der Regulierungsbehörde belegt.

Warum es keinen europäischen Abschalttermin gibt

Die Abschaltung ist keine behördliche Anordnung, sondern eine Entscheidung jedes einzelnen Netzbetreibers über sein eigenes Netz. Die Regulierungsbehörden sammeln und veröffentlichen diese Pläne, sie setzen sie nicht. Damit gibt es keinen europäischen Termin, sondern so viele Termine, wie es Netze gibt — ein Grundzug der IoT-Konnektivität über Grenzen hinweg. Wer nach Europa liefert, plant für Dutzende.

Die Folge in einem Satz: Wer für Deutschland plant, plant für drei Termine. Wer für Europa liefert, plant für Dutzende. Zweite Ebene, oft übersehen: Auch innerhalb eines Landes läuft die Abschaltung meist regionenweise über Monate. In Frankreich beginnt sie in einzelnen Städten und Departements, bevor sie flächig wird. Die deutschen Termine je Netzbetreiber im Detail stehen im Artikel 2G-Abschaltung in Deutschland — sie werden hier bewusst nicht wiederholt.

Der Stand in sechs Ländern

Drei Länder sind weiter als Deutschland, zwei sind ungefähr gleich weit, eines ist deutlich langsamer. Die Spanne reicht von bereits abgeschalteten 2G-Netzen bis zu Terminen am Ende des Jahrzehnts. Wer Zielmärkte hat, prüft sie einzeln — eine europäische Regel, aus der man ableiten könnte, gibt es nachweislich nicht. Die folgende Übersicht zeigt die Spannweite.

2G und 3G in sechs Ländern (Stand: 31. Juli 2026, Angaben der jeweiligen Regulierungsbehörde)
Land2G3G
Schweiz 2G bereits abgeschaltet, Netze zwischen 2019 und 2023 stufenweise ausser Betrieb 3G Sunrise Mitte 2025, Swisscom seit Ende 2025; ein Betreiber ohne Termin
Frankreich 2G Ende 2026 bei allen Betreibern, regional gestaffelt ab März 2026 3G 2028 bis Ende 2029, je Betreiber
Niederlande 2G ein Betreiber bereits beendet, einer Ende 2026, einer am 1. Dezember 2027 3G zwei Betreiber bereits beendet, einer frühestens August 2026
Deutschland 2G Mitte 2028 bis Ende 2028; ein Betreiber versorgt kritische Anwendungen bis Ende 2030 3G seit 2021 abgeschaltet
Großbritannien 2G ab 2029 bzw. 2030 je Betreiber, spätestens 2033 3G vollständig abgeschaltet
Österreich 2G kein fester Termin; Behörde nennt die Jahre um 2030 3G abgeschaltet

Die Tabelle nennt den Stand eines Datums und ist ausdrücklich so gekennzeichnet. Sie ersetzt nicht den Blick auf die Seite der jeweiligen Behörde, sondern zeigt die Spannweite. Der eine Vergleich, der sitzt: In der Schweiz gibt es kein 2G mehr, während in Deutschland noch bis 2028 darauf gebaut werden darf.

Der Fall, den die Länderlisten nicht abdecken — Roaming-Karten

Eine Karte mit Multi-Netz-Roaming nutzt fremde Netze über Abkommen. Fällt in einem Land ein Netz weg, verliert sie dort eine Option — auch wenn andere Netze im selben Land noch senden. Die britische Aufsicht veröffentlicht deshalb eigene Abdeckungsdaten für Geräte mit internationalen Roaming-Karten und warnt vor neuen Funklöchern für einreisende Geräte.

Warum das früher zuschlägt als der Landestermin: Inlandskunden werden vom eigenen Betreiber informiert, umgestellt und notfalls mit Ersatzgeräten versorgt. Ein einreisendes Gerät auf einer Roaming-Karte ist niemandes Kunde in diesem Land — es verliert einfach eine Einbuchoption. Die britische Aufsicht spricht ausdrücklich von zu erwartenden Funklöchern für einreisende Roamer und stellt dafür eigene Abdeckungsdaten bereit. Der Umkehrschluss, ohne etwas zu behaupten: Je mehr Netze eine Karte in einem Land nutzen darf, desto später wirkt sich das Abschalten eines einzelnen Netzes aus. Mehr Netze verlängern die Frist — sie schaffen sie nicht ab. Die technische Grundlage dafür erklärt Multi-IMSI und Multi-Netz-Roaming.

Die Gegenströmung: warum manche Termine wieder nach hinten rücken

Nicht alle Termine wandern nach vorn. Eine Studie für die Europäische Kommission kommt zu dem Ergebnis, dass geschätzt vierundsechzig Millionen Fahrzeuge den automatischen Notruf verlieren könnten, und empfiehlt, in jedem Mitgliedsstaat mindestens ein altes Netz bis mindestens 2030 zu erhalten. Es gibt also zwei gegenläufige Kräfte. Beides passiert gleichzeitig in verschiedenen Ländern.

Was das für die Planung heißt, nüchtern: Es gibt zwei gegenläufige Kräfte. Betreiber ziehen Termine vor, weil Frequenzen und Betriebskosten drängen; Regulierung und Sicherheitsanwendungen drücken sie zurück. Beides passiert gleichzeitig, in verschiedenen Ländern. Der Fehler, den man daraus nicht ableiten darf: Eine europäische Empfehlung zum Erhalt eines Altnetzes ist keine Zusage, dass Ihr Netz erhalten bleibt — sie ist eine Empfehlung an Mitgliedsstaaten, ohne Bindung, und sie betrifft den Notruf, nicht den Datendienst. Auf eine Verlängerung zu planen, ist keine Planung. Wer ein Gerät zehn Jahre betreibt, legt es auf die Nachfolgetechnik aus und behandelt jede Verlängerung als Zugabe — eine Einordnung der beiden Nachfolgestandards liefert NB-IoT vs. LTE-M.

Wie Sie den Stand für Ihre Zielmärkte selbst prüfen

Drei Quellen genügen, und alle drei sind öffentlich: die Regulierungsbehörde des Landes für die Übersicht, die Netzinformationsseite jedes Betreibers für das genaue Datum, und Ihr Konnektivitätsanbieter für die Frage, welche dieser Netze Ihre Karte überhaupt nutzen darf. Die dritte Frage beantwortet keine Behörde und keine Länderliste. Alle drei zusammen ergeben die Antwort.

  1. Regulierungsbehörde des Landes. Mehrere veröffentlichen gepflegte Übersichten je Betreiber, teils mit Detailkalendern. Das ist der schnellste Einstieg und die belastbarste Ebene.
  2. Netzinformationsseite des Betreibers. Dort steht das Datum, das gilt — und oft die regionale Staffelung, die in der Übersicht fehlt.
  3. Ihr Konnektivitätsanbieter. Nur er weiß, welche Netze Ihre Karte in dem Land nutzen darf. Ohne diese Auskunft ist eine Landesübersicht nur die halbe Antwort.

Beschaffung: eine Hardware für mehrere Zielmärkte

Wirtschaftlich zählt nicht der früheste Termin, sondern der Umstand, dass Sie ihn beim Entwurf nicht kennen. Ein Modul, das nur den heimischen Stand abdeckt, wird zur Ländervariante mit eigener Lagerposition. Eines, das die Nachfolgestandards mitbringt, bleibt eine einzige Bauform für alle Zielmärkte über die volle Laufzeit des Geräts. Das ist der eigentliche Kostenhebel.

Erste Kostenlinie: Varianten. Jede Ländervariante bedeutet eine eigene Stückliste, eigene Prüfung, eigene Lagerposition und eigene Ersatzteilhaltung — Kosten, die über die Laufzeit weiterlaufen und nicht einmalig anfallen. Zweite Linie: Feldeinsätze. Ein Modultausch im Ausland ist die teuerste Variante überhaupt: Anfahrt, Zoll, örtliche Technik, Ausfallzeit. Die Rechnung gegen ein etwas teureres Modul beim Entwurf geht fast immer zugunsten des Moduls aus. Dritte Linie: Restwert und Zusagen. Ein Gerät, dessen Funk in einem Zielmarkt in achtzehn Monaten endet, ist dort nicht mehr verkäuflich — und Zusagen zu Laufzeit oder Verfügbarkeit, die Sie heute geben, gelten dann weiter. Wie schnell sich ein Bestand bewegt, wenn ein Termin näher kommt, zeigt Frankreich — dort sank die Zahl der Karten in 2G-Geräten für Maschinenanwendungen in einem einzigen Quartal um über ein Fünftel.

Was jetzt zu tun ist

Erst der Bestand, dann die Termine: Erfassen Sie, welche Geräte in welchem Land stehen und welches Modul jeweils verbaut ist. Ordnen Sie diesen Geräten die Termine ihres Landes zu, nicht die deutschen. Planen Sie rückwärts vom frühesten Termin Ihres größten Zielmarktes, mit Vorlauf für Lieferzeiten und Feldtests. Der Rest ergibt sich daraus.

  1. Bestand je Land und Modul erfassen.
  2. Termine des jeweiligen Landes zuordnen, nicht die deutschen.
  3. Rückwärts vom frühesten Termin des größten Zielmarktes planen.
  4. Vorlauf für Lieferzeiten und Feldtests einrechnen.

Sagen Sie uns, in welchen Ländern Ihre Geräte stehen und welches Modul verbaut ist — wir ordnen den Bestand den Terminen der jeweiligen Netze zu und sagen Ihnen, wo es eng wird. Auch dann, wenn die Antwort lautet, dass Sie in Ihrem Hauptmarkt noch Jahre Zeit haben.

Häufige Fragen

Gibt es einen europäischen Termin für die 2G-Abschaltung?

Nein. Die Abschaltung ist eine Entscheidung jedes einzelnen Netzbetreibers über sein eigenes Netz, nicht eine behördliche Anordnung. Es gibt so viele Termine wie Netze — wer für Europa liefert, plant für Dutzende.

Warum sind Roaming-Karten von einer Netzabschaltung früher betroffen als Inlandskunden?

Weil ein einreisendes Gerät auf einer Roaming-Karte niemandes Kunde in diesem Land ist. Es wird nicht informiert oder umgestellt wie ein Inlandskunde, sondern verliert einfach eine Einbuchoption, sobald ein Netz abschaltet.

Werden Abschalttermine grundsätzlich nur vorgezogen?

Nein. Eine Studie für die Europäische Kommission empfiehlt, in jedem Mitgliedsstaat mindestens ein altes Netz bis mindestens 2030 wegen des automatischen Notrufs zu erhalten. Es gibt also zwei gegenläufige Kräfte gleichzeitig.

Wie finde ich heraus, ob meine Geräte in einem bestimmten Land betroffen sind?

Drei Quellen zusammen: die Regulierungsbehörde des Landes für die Übersicht, die Netzinformationsseite des Betreibers für das genaue Datum, und Ihr Konnektivitätsanbieter für die Frage, welche dieser Netze Ihre Karte dort überhaupt nutzen darf.

Aus dem Angebot

Passende Produkte & Lösungen

M2M-SIM-Karte

Multi-Netz-SIM mit Roaming über 400 Partner in 140+ Ländern — alle Formfaktoren (2FF–4FF, MFF2) und optionaler IMEI-Lock.

Zur Produktseite